Scheinselbstständigkeit umgehen: So vermeiden Sie den Fallstrick

Wenn die Rentenversicherung selbstständige Dienstleister als scheinselbstständig einstuft, wird es teuer. Lernen Sie drei Möglichkeiten kennen, mit denen Sie den Verdacht der Scheinselbstständigkeit umgehen können.

Erfahren, gut und trotzdem keine Aufträge mehr?

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein erfahrener selbstständiger Unternehmer oder Unternehmerin und Ihr Kunde gibt Ihnen plötzlich keine Aufträge mehr. Was kann der Grund dafür sein? An der Qualität Ihrer Arbeit liegt es nicht, denn Ihre Auftraggeber sind seit Jahren zufrieden mit Ihrer Leistung.

Grund dafür ist möglicherweise die Befürchtung des Kunden, dass er für Sie Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen muss, sollte er sie wieder beauftragen. Diese Problematik ist bekannt unter dem Begriff Scheinselbstständigkeit. Die Möglichkeit der Scheinselbständigkeit ist das, wonach der Betriebsprüfdienst der Deutschen Rentenversicherung (DRV) in Bezug auf Selbstständige besonders kritisch Ausschau hält.

Wer scheinselbstständig ist, gilt nicht mehr als Selbstständiger, sondern als abhängig Beschäftigter. Der Auftraggeber von Scheinselbständigen gilt als Arbeitgeber und ist verpflichtet, für seine Arbeitnehmer Sozialabgaben einzuzahlen und gegebenenfalls nachzuzahlen.

Entdeckt der Prüfdienst der DRV Fälle von Scheinselbstständigkeit, kommen schnell mehrere tausend Euro Nachforderungen zusammen. Nachzuzahlen sind Sozialabgaben für einen Zeitraum von bis zu vier Jahren. Zusammen mit dem laufenden Jahr können das also bis zu fünf Jahre sein.

Angesichts dieses Risikos verzichten Unternehmen künftig in der Regel auf die betreffenden Dienstleister oder vermeiden es von vornherein, mit selbstständigen Dienstleistern zusammenzuarbeiten.

 

Welche Möglichkeiten haben Sie, um dem Verdacht der Scheinselbständigkeit zu umgehen?

Als Selbstständiger müssen Sie auf dieses Problem reagieren, sonst haben Sie bald keine Aufträge mehr von zahlungskräftigen Unternehmenskunden. Unsere Rechtsanwältin Kathi-Gesa Klafke zeigt, welche Möglichkeiten es für Selbstständige gibt, das Risiko rechtssicher und erfolgreich zu händeln.

 

Möglichkeit eins: Gründung einer Kapitalgesellschaft

Gegenüber der Rentenversicherung können Sie den Verdacht der Scheinselbstständigkeit umgehen, wenn Sie selbst eine Kapitalgesellschaft sind, also in der Regel eine GmbH. Unter den IT-Fachkräften, Video Editoren, Journalisten und anderen Dienstleistern besitzen bereits etliche  die Rechtsform der GmbH. Noch mehr Selbstständige jedoch sind soloselbstständig oder als BGB Gesellschaft beziehungsweise deren Partnerschaftsgesellschaft organisiert.

Sollten Sie ebenfalls eine GmbH-Gründung erwägen, benötigen Sie 25.000 Euro Stammkapital und einen Gesellschaftsvertrag. Darüber hinausgehen Sie mit der Gründung zahlreiche Rechtspflichten ein. Die günstige Alternative zur Gründung einer Voll-GmbH ist die Unternehmergesellschaft mit beschränkter Haftung, die UG. Hier können Gründer das Stammkapital ab einem Euro ansparen.

Laut der Experteneinschätzung von Rechtsanwältin Klafke ist die GmbH-Gründung aufwändig. Daher empfiehlt sie, Aufwand und Ertrag gut durchzukalkulieren.

 

Möglichkeit zwei: Zwischenschalten einer Servicegesellschaft

Diese Absicherung wird häufig von den Großunternehmen selbst genutzt. Um bei der Rentenversicherung nicht in den Verdacht zu geraten, Scheinselbstständige zu beauftragen, verpflichten sie eine Servicegesellschaft, welche selbst die Rechtsform der GmbH hat. Diese beauftragt dann die Selbstständigen.

Der Haken an der Sache: Für ihren Service als Mittelsmann behalten die Servicegesellschaften eine hohe Provision ein. Ihr hart verdientes Honorar als selbstständige Unternehmerin oder Unternehmer wird also dadurch gemindert, dass eine Servicegesellschaft die Hand aufhält und nichts für Sie tut, außer dem Auftraggeber Rechtssicherheit gegen den Verdacht der Scheinselbstständigkeit zu gewährleisten

Rechtsanwältin Klafke hält diese Variante für eine teure Absicherung gegen den Verdacht der Scheinselbstständigkeit, die zwar eventuell im ersten Anlauf Aufträge sichert, aber letztlich als Umgehung häufig trotzdem nicht anerkannt wird.

 

Möglichkeit drei: Weisen Sie ihre Selbständigkeit nach

Um Ihrem künftigen Auftraggeber die Sicherheit zu geben, selbstständig zu sein, ohne dafür mit einer Servicegesellschaft zusammen arbeiten zu müssen, können Sie auch gemeinsam mit einem Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung die Bestätigung der Selbstständigkeit einholen. Das ist in der Praxis die geradlinigste Möglichkeit.

Wenn Sie den Antrag zur Statusfeststellung rechtzeitig bestellen, also innerhalb eines Monats ab Auftragsbeginn, ist Ihr Auftraggeber vor einer rückwirkenden Beitragsforderung geschützt, vorausgesetzt, Sie verfügen über eine Krankenversicherung und eine Altersvorsorge und wählen dieses sogenannte „Beitragsprivileg“.

Vorsicht gilt jedoch bei bestehenden Auftragsverhältnissen. Unbedachte Kreuze an der falschen Stelle führen häufig gerade zu der Nachforderung, die man eigentlich vermeiden wollte. Ein Schutz vor rückwirkenden Nachforderungen existiert dabei nicht. Kommt die Rentenversicherung im Zuge des Statusfeststellungsverfahrens zum Ergebnis, dass Sie nicht selbstständig sind, muss Ihr Auftraggeber alle Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen.

Daher rät Anwältin Kathi Klafke dazu, eine Statusfeststellung nur mit vorheriger Beratung durchzuführen, da das Verfahren viele Fallstricke enthält und im ungünstigsten Fall sogar zu einer Nachforderung für den Auftragnehmer führen kann.

 

Was sind Merkmale der Scheinselbständigkeit?

Die folgenden Punkte sind Indizien dafür, dass Sie keiner selbständigen Tätigkeit nachgehen. Allerdings sollten Sie am besten auf Nummer sicher gehen und Rat bei einer Anwaltskanzlei wie jura ratio einholen – ihren Anwälten für Scheinselbständigkeit.

Merkmale der Scheinselbständigkeit sind unter anderem:

  • Keine freie Zeiteinteilung
  • Tätigkeit in den Geschäftsräumen des Auftraggebers
  • Teilnahme an Besprechungen, Konferenzen oder ähnlichem im laufenden Auftragsverhältnis
  • Zusammenarbeit in einem Team
  • Einsatz bei Endkunden des Auftraggebers
  • E-Mail des Auftraggebers, Schlüssel zu den Räumen
  • Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Aufpassen sollten Sie auch, wenn aus Ihren Unterlagen hervorgeht, dass Sie Ihre Arbeit nach Stundenhonorar oder Tagessätzen abrechnen. Eine Abrechnung nach Aufwand ist immer ein Indiz für eine abhängige Beschäftigung. Wenn Sie vorsorgen wollen, dass Ihnen niemand Scheinselbstständigkeit vorwerfen kann, achten Sie darauf, in Ihren Verträgen immer auch Pauschalen zu verhandeln.

 

Fazit: Es gibt viele Möglichkeiten, um Scheinselbständigkeit zu umgehen

Der Verdacht auf Scheinselbständigkeit kann sich negativ auf Ihre Auftragslage als Selbständiger auswirken. Daher sollten Sie frühzeitig vorsorgen und einer der folgenden Möglichkeiten in Betracht ziehen: Die Gründung einer Kapitalgesellschaft, das Zwischenschalten einer Servicegesellschaft oder der Nachweis der Selbständigkeit.

Haben Sie weitere Fragen oder Unsicherheiten zum Thema Scheinselbständigkeit? Wir helfen Ihnen gerne weiter.

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